Viele Minijobber wissen nicht, dass ihnen am Ende der Beschäftigung ein Arbeitszeugnis zusteht – genauso wie jedem anderen Arbeitnehmer. Dabei kann ein gutes Zeugnis für die weitere berufliche Laufbahn wertvoll sein. Es belegt, was du getan hast und wie gut du es gemacht hast. Dieser Artikel erklärt, welchen Anspruch du hast, welche Arten von Zeugnissen es gibt und wie du die berühmte Zeugnissprache entschlüsselst.
Auch im Minijob besteht ein Anspruch
Das Recht auf ein Arbeitszeugnis gilt für alle Beschäftigungsverhältnisse – auch für geringfügige. Ob du nur wenige Stunden pro Woche oder Vollzeit gearbeitet hast, spielt für den Anspruch keine Rolle. Du musst das Zeugnis allerdings verlangen; von selbst wird es oft nicht ausgestellt. Bitte deshalb spätestens zum Ende der Beschäftigung aktiv darum, etwa im Zuge der Kündigung.
Einfaches und qualifiziertes Zeugnis
Es gibt zwei Arten:
Das einfache Zeugnis bestätigt nur die Art und Dauer der Tätigkeit – also wer du bist, was du gemacht hast und wie lange. Es enthält keine Bewertung.
Das qualifizierte Zeugnis geht weiter: Es bewertet zusätzlich deine Leistung und dein Verhalten. Genau diese Bewertung macht es für Bewerbungen wertvoll. Du hast das Recht, ein qualifiziertes Zeugnis zu verlangen – nutze es, denn nur dieses zeigt künftigen Arbeitgebern, wie gut du gearbeitet hast.
Die Zeugnissprache verstehen
Arbeitszeugnisse müssen wohlwollend formuliert sein, dürfen aber auch nicht unwahr sein. Aus diesem Spannungsfeld hat sich eine verschlüsselte Sprache entwickelt, in der scheinbar nette Formulierungen klare Bewertungen transportieren. Einige Beispiele für die Leistungsbeurteilung:
- „stets zu unserer vollsten Zufriedenheit" → sehr gut
- „stets zu unserer vollen Zufriedenheit" → gut
- „zu unserer vollen Zufriedenheit" → befriedigend
- „zu unserer Zufriedenheit" → ausreichend
- „im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit" → mangelhaft
Es kommt also auf Nuancen an. Achte besonders auf Wörter wie „stets", „vollste" und „jederzeit" – sie heben die Bewertung. Fehlen sie, ist das ein Signal. Prüfe dein Zeugnis genau und sprich Unstimmigkeiten an: Du hast Anspruch auf ein wohlwollendes Zeugnis.
Was ein gutes Zeugnis enthält
Ein vollständiges qualifiziertes Zeugnis umfasst in der Regel:
- Die genaue Bezeichnung der Tätigkeit und den Zeitraum
- Eine Beschreibung deiner Aufgaben
- Eine Bewertung deiner Leistung
- Eine Bewertung deines Verhaltens (gegenüber Vorgesetzten, Kollegen, Kunden)
- Eine Schlussformel mit Dank und guten Wünschen
Gerade die Schlussformel ist verräterisch: Fehlt der Dank für die Zusammenarbeit oder das Bedauern über das Ausscheiden, deutet das auf eine schlechtere Bewertung hin.
Warum sich das Zeugnis für dich lohnt
Ein Minijob-Zeugnis ist mehr wert, als viele denken. Es belegt Erfahrung, die du sonst nur behaupten könntest, und kann gerade für Berufseinsteiger oder Wiedereinsteiger den Unterschied machen. Zusammen mit Arbeitsproben und Referenzen ist es ein wichtiger Baustein deiner Bewerbungsunterlagen. Wer Lücken im Lebenslauf füllen will, kann mit einem Minijob-Zeugnis Aktivität und Können nachweisen – siehe Lücken im Lebenslauf erklären.
Fazit
Auch im Minijob hast du Anspruch auf ein Arbeitszeugnis – und du solltest dieses Recht nutzen, am besten in Form eines qualifizierten Zeugnisses mit Leistungsbewertung. Wer die verschlüsselte Zeugnissprache versteht, kann prüfen, ob die Bewertung fair ausgefallen ist, und Unstimmigkeiten ansprechen. Ein gutes Zeugnis belegt deine Erfahrung und stärkt künftige Bewerbungen. Vergiss deshalb beim Abschied eines Minijobs nie, danach zu fragen – es kostet nichts und kann deiner Laufbahn nützen.